Für den Deutschen Umweltpreis 2023 hat die Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft (AöW) das Hochwasserkompetenz Centrum (HKC) e. V. vorgeschlagen. Mit der Nominierung wird eine Organisation gewürdigt, die seit vielen Jahren die Eigenvorsorge gegen Hochwasser und Starkregen stärkt und damit einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung, zum Umwelt- und Gewässerschutz sowie zur gesellschaftlichen Resilienz leistet.
Wirksamer Überflutungsschutz basiert auf drei Säulen beruht: dem öffentlichen Hochwasser- und Starkregenschutz, einer ausreichenden Absicherung durch Elementarschadenversicherungen und einer gut informierten Eigenvorsorge. Gerade die Erfahrungen der Flutkatastrophe im Sommer 2021 haben gezeigt, dass technische Schutzmaßnahmen allein nicht ausreichen. Wissen über Risiken und geeignete Vorsorgemaßnahmen kann Schäden deutlich reduzieren und Menschen, Umwelt und Infrastruktur besser schützen.
Das HKC hat sich seit seiner Gründung im Jahr 2007 als bundesweit einzigartiges Netzwerk etabliert. Es bringt Wissenschaft, Wirtschaft, Kommunen, Wasserwirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammen und entwickelt praxisnahe Lösungen für eine wirksame Hochwasser- und Starkregenvorsorge. Besonders überzeugt haben uns zwei Projekte, die bundesweit Modellcharakter besitzen: das Hochwasser-Info-Mobil und der Hochwasser-Pass.
Mit den Hochwasser-Info-Mobilen werden Bürgerinnen und Bürger direkt vor Ort erreicht – auf Marktplätzen, Informationsveranstaltungen oder Messen. Geschulte Expertinnen und Experten beraten zu Risiken durch Flusshochwasser, Starkregen, Grundhochwasser und Kanalrückstau und informieren über konkrete Schutzmaßnahmen. Anschauliche Modelle, moderne Visualisierungstechniken und digitale Anwendungen machen Risiken verständlich und zeigen, wie Eigenvorsorge praktisch umgesetzt werden kann.
Der Hochwasser-Pass ergänzt dieses Angebot. Geschulte Sachkundige bewerten die individuelle Gefährdung von Gebäuden und Grundstücken und entwickeln konkrete Empfehlungen zur Verbesserung des Objektschutzes. Damit unterstützt der Hochwasser-Pass insbesondere Eigentümerinnen und Eigentümer, die außerhalb öffentlicher Schutzmaßnahmen liegen oder nur eingeschränkten Versicherungsschutz erhalten. Das Instrument schafft Transparenz über Risiken und motiviert dazu, frühzeitig geeignete Vorsorgemaßnahmen umzusetzen.
Besonders beeindruckt hat uns der Modellcharakter der Arbeit des HKC. Die entwickelten Konzepte werden bereits in Forschungsprojekten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung weiterentwickelt und auf internationale Anwendungsfelder übertragen. Darüber hinaus dient der Hochwasser-Pass als Vorbild für vergleichbare Initiativen, etwa in Sachsen. Auch Kommunen nutzen die Konzepte zunehmend, um ihre Beratungsangebote für Bürgerinnen und Bürger auszubauen und die Eigenvorsorge nachhaltig zu stärken.
Wer rechtzeitig Vorsorge trifft, schützt nicht nur das eigene Eigentum, sondern verhindert auch, dass bei Überflutungen Heizöl, Kraftstoffe oder andere Schadstoffe in Gewässer und Böden gelangen. Damit leistet Eigenvorsorge einen wichtigen Beitrag zum Schutz empfindlicher Ökosysteme und zur Verringerung von Umweltschäden infolge extremer Wetterereignisse.
Auch wenn der Deutsche Umweltpreis 2023 letztlich an andere Preisträger verliehen wurde, war es uns ein wichtiges Anliegen, die herausragende Arbeit des Hochwasserkompetenz Centrums sichtbar zu machen. Angesichts der zunehmenden Folgen des Klimawandels zeigt das HKC beispielhaft, wie Information, Vernetzung und Eigenvorsorge dazu beitragen können, Menschen, Umwelt und Infrastruktur widerstandsfähiger gegenüber Hochwasser und Starkregen zu machen.